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Mutterschweine: So läuft es rund bei der Geburt

Bei der Fütterung der Mutterschweine ist rund um die Geburt dem Verhältnis von Anionen und Kationen besondere Beachtung zu schenken.

Sauen produzieren heute grössere und schwerere Würfe und haben deshalb auch einen höheren Bedarf an Nährstoffen. Während der späten Trächtigkeit und in der Laktation ist besonders der Bedarf an Kalzium gross, da Kalzium für die Entwicklung des fetalen Skeletts und die Milchproduktion benötigt wird. Zudem führt eine tiefe Kalziumkonzentrationen im Blut zu tendenziell längeren Geburten.

Im geburtsnahen Zeitraum lässt sich der Kalziumstoffwechsel nicht über eine kalziumreichere Fütterung, wohl aber durch das Verhältnis jener Mineralstoffe beeinflussen, welche in der Futterration als Elektrolyten berücksichtigt werden. Dabei haben die basisch wirkenden Kationen Natrium und Kalium sowie die sauer wirkenden Anionen Chlorid und Schwefel im Schwein den grössten Einfluss. Mit weniger Kationen und mehr Anionen wird der Kalziumgehalt im Blut um den Geburtszeitraum gezielt erhöht. Im Fachjargon heisst das: Die Elektrolytbilanz (EB) wird gesenkt.  Zudem führt die Senkung der EB zu einem tieferen Harn-pH, was schädliche Keime hemmt und Infektionen in Harn- und Geburtswegen vorbeugt.

Oft wird in diesem Zusammenhang der Harn-pH gemessen. Ein pH-Messstreifen gibt rasch Auskunft darüber, ob der Harn basisch oder sauer ist. Eine solche Messung ist aber immer nur eine Momentaufnahme. Der Harn-pH ist tageszeitlichen Schwankungen unterworfen und hängt von der individuellen Futter- und Wasseraufnahme ab. Auch der jeweilige Abschnitt des Reproduktionszyklus beeinflusst den pH-Wert. Während der Trächtigkeit ist er am höchsten, nimmt gegen Ende der Trächtigkeit ab und ist während der Laktation am tiefsten. Darüber hinaus können Bakterien, die zu Entzündungen im Harntrakt beitragen, Harnstoff zu Ammoniak spalten, was den pH-Wert erhöht. Einzelne punktuelle Harn pH-Messungen müssen deshalb immer mit Vorsicht interpretiert werden. Besser ist es, den pH-Wert über eine längere Zeit zu verfolgen.

Dr. Bruno Marty, technischer Dienst, Egli-Mühlen AG Nebikon