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Tiere sind wichtig für Verwertung von Nebenprodukten

Ein Bericht der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) zeigt, wie wichtig die Tierproduktion für die Wiederverwertung von Nebenprodukten aus Lebensmittelproduktion ist.

In einer Mehlmühle werden aus einem Kilogramm Weizen im Durchschnitt knapp 800 g Mehl gewonnen. Die restlichen 20 % des Weizens fallen in Form von Kleie oder Bollmehl an. Bei rund 650'000 Tonnen Brotgetreide, die jährlich in der Schweiz für die menschliche Ernährung verarbeitet werden, entstehen so über 140'000 Tonnen Nebenprodukte aus der Mehlmüllerei. Ebenso fallen bei der Gewinnung von Speiseölen, beim Pressen von Süssmost, in Brauereien sowie in der Zuckerverarbeitung Nebenprodukte an. In der menschlichen Ernährung finden die genannten Nebenprodukte kaum oder nur in sehr geringem Masse Verwendung. Indem diese Produkte an Nutztiere verfüttert werden, können sie jedoch weiter für die Produktion von Lebensmitteln nutzbar gemacht werden. Dabei spielt der Einsatz im Mischfutter eine wesentliche Rolle.

Der Einsatz von Nebenprodukten ist begrenzt
Um die Bedeutung der Nutztiere für die Verwertung von Nebenprodukten abzuschätzen, wurden in einem ersten Schritt die in der Schweiz anfallenden Mengen an Nebenprodukten eruiert. Dazu wurden alle verarbeiteten pflanzlichen Rohwaren aus Inlandanbau und Import erfasst, bei denen das Nebenprodukt in der Schweiz anfällt. Importierte Nebenprodukte wurden hingegen nicht berücksichtigt. Anhand der Ausbeute an Lebensmitteln konnten die anfallenden Mengen Nebenprodukte geschätzt werden. Die von Schweizer Nutztieren verzehrte Mischfuttermenge wurde anhand der Tierbestände und dem durchschnittlichen Mischfutterverzehr pro Tier abgeleitet. Der maximale Anteil eines Nebenproduktes im Mischfutter kann aus verschiedenen Gründen limitiert sein. So kann z.B. Weizenkleie wegen des hohen Phosphorgehaltes nur begrenzt in einem NPr-Schweinefutter eingesetzt werden. Die möglichen Einsatzgrenzen wurden für jedes Nebenprodukt in Zusammenarbeit mit dem technischen Dienst der Futtermittelbranche ermittelt.

Schwein und Geflügel als wichtige Verwerter
Schweizweit fallen pro Jahr rund 365'000 Tonnen pflanzliche Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie an. Mengenmässig sind die Nebenprodukte der Mehlmüllerei am wichtigsten (siehe Grafik). Damit sich die Zahlen direkt vergleichen lassen, beziehen sich alle Angaben jeweils auf einen Trockensubstanz-Gehalt von 88 %. Die jährlich verfütterte Mischfuttermenge beläuft sich auf 629'000 Tonnen Schweine- und 367'000 Tonnen Geflügelfutter. Unter Berücksichtigung der Höchstanteile an Nebenprodukten im Mischfutter können bei diesen beiden Tierkategorien 196'000 Tonnen Nebenprodukte verwertet werden, 138'000 Tonnen davon im Schweine- und 58'000 Tonnen im Geflügelfutter.

Auch Milchvieh muss mithelfen
Insbesondere bei den Mühlennebenprodukten wird jedoch deutlich, dass die anfallenden Nebenprodukte nicht vollständig über Schweine- und Geflügelfutter verwertet werden können. Knapp die Hälfte aller Nebenprodukte, nämlich rund 170'000 Tonnen, müssen über die Rindviehfütterung verwertet werden. Nach üblicher Definition handelt es sich bei diesen Produkten um Kraftfuttermittel. Während Zuckerrübenschnitzel, Melasse und Biertreber auch direkt, also ohne Umweg über die Futtermühle, in die Rindviehration gelangen, ist dies bei Mühlennebenprodukten eher unüblich. Sie werden überwiegend in Form von Mischfutter verfüttert. Ein gewisser Kraftfuttereinsatz beim Rindvieh ist also aus Sicht einer sinnvollen Verwertung der Nebenprodukte notwendig. Bei 570'000 Schweizer Kühen als wichtigstem «Konsumenten» von Nebenprodukten ist ein durchschnittlicher Verzehr von 300 kg pro Kuh erforderlich.

Mischfutter als wichtiger Teil im Nährstoffkreislauf
Der Mischfutterindustrie kommt bei der Verwertung dieser Nebenprodukte eine wesentliche Rolle zu. Über alle Tierarten gesehen bestehen Schweizer Mischfutter im Durchschnitt zu 20 % aus Nebenprodukten aus der inländischen Lebensmittelgewinnung und leisten so einen wesentlichen Beitrag, um die Nährstoffkreisläufe zu schliessen, damit keine Nebenprodukte in einer Biogasanlage entsorgt werden müssen.

Autor: Stefan Probst, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), Zollikofen